
Die Handschrift Ms 135 des Franziskanerklosters Freiburg, ein Pergamentband des 14. Jahrhunderts, bestehend aus 104 Blättern, enthält eines der Gründungsdokumente des Franziskanerordens, die Regula bullata in der Freiburger Überlieferung. Die Regel der Minderbrüder wurde am 29.11.1223 von Papst Honorius III. mit der Bulle Solet annuere bestätigt. Sie gilt als endgültige Regel des hl. Franziskus und besitzt auch heute noch Gültigkeit. Diese endgültige Regelfassung ist ein während mehreren Jahren von gelehrten Mitbrüdern gewachsenes Gesetzeswerk, das zur Grundlage für franziskanische Gemeinschaften wurde (Franziskaner-Observanten, Franziskaner-Minoriten, Kapuziner, Klarissen, Kapuzinerinnen, etc.). Das Original des Regeltextes wird in Assisi aufbewahrt.

Die Freiburger Version des Textes gilt als wertvolles Beispiel mittelalterlicher Überlieferung des lateinischen Regeltextes, weshalb sie in einer Ausstellung des Dommuseums Salzburg gezeigt wird. Der Text, der im Franziskanerkloster Freiburg aufbewahrt wird, wurde sehr wahrscheinlich im Kloster selber geschrieben und über lange Zeit intensiv genutzt. So wurde aus der Ordensregel häufig zu den Mahlzeiten der Brüder im Refektorium vorgelesen.
Die Handschrift Ms 31, geschrieben im 14. Jahrhundert und 2023 in der Restaurierungswerkstatt des Klosters restauriert, ist in schwarzer, teilweise roter und blauer Tinte verfasst. Einige Seiten enthalten Beschriftungen in Eisengallustinte. Die Schrift verändert sich im Lauf der Handschrift und weist auf die zahlreichen Schreiber hin, die das Buch geschrieben haben. Neben der Regula bullata, die besonders zahlreiche Gebrauchsspuren aufweist, enthält die Handschrift zahlreiche Kopien von päpstlichen Bullen des 13. und 14. Jahrhunderts.
Das Besondere an dieser Handschrift liegt nicht nur in ihrem hohen Alter, sondern auch darin, dass sie stets in der Klosterbibliothek aufbewahrt wurde. Die Abnutzungsspuren zeugen von einer intensiven Nutzung über einen langen Zeitraum hinweg, was zeigt, dass das Buch für die Brüder nicht nur eine grosse spirituelle Bedeutung hatte, sondern auch einen dauerhaften praktischen Nutzen im Alltag. Dieses Werk verkörpert in vollendeter Weise die franziskanische Lebenskunst: ein prächtig gestaltetes Buch im Dienste des spirituellen und alltäglichen Lebens der Franziskaner.
In enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Kulturgüter des Kantons Freiburg wurde die Handschrift nach Salzburg gebracht, wo sie vom 24. Mai bis 2. November 2026 im Dommuseum zu sehen ist. Im Rahmen einer Ausstellung zum 800. Todestag des Franz von Assisi wird der berühmte Ordensgründer anhand von Kunstwerken, Schriften und Gebrauchsgegenständen vorgestellt. Eine weitere willkommene Gelegenheit, um das reichhaltige Kulturerbe des Franziskanerklosters Freiburg ins Rampenlicht zu rücken.


