Das neue alte Kleid

Der Überzug kleidet den Einband, schmückt und schützt das Buch. Im Kampf gegen den Zahn der Zeit fängt er einen grossen Teil der Attacken des Zerfalls ab, in dem er ihnen selbst zum Opfer fällt. Wie Narben und Falten in die Haut, gräbt sich die Geschichte eines Bandes in dessen Einband. Nur zu oft stören diese Spuren der Geschichte empfindlich die Funktion von Schmuck und Schutz. Was tun, um beidem gerecht zu werden – der Funktionalität des Einbandes und der Buchgeschichte, die er verkörpert? Was sollte höher gewichtet werden? Sichere Benutzbarkeit oder den Erhalt der originalen Substanz des Buches? Beides!

Das «Messbuch der Hufschmiede» vor und nach der Restaurierung

Wie bei der Restaurierung einer Handschrift aus den Beständen des Staatsarchivs Freiburg, dem «Messbuch der Hufschmiede» (Signatur: CH AEF, Corporation, 10.0) – stolze 244 Pergamentseiten mit Deckeln aus Buchenholz, ganz in Leder eingebunden und einst mit Buchbuckeln abgehoben. Doch die Zeit hat dem Einband übel zugesetzt. Löchrig und zerrissen hängt der Lederüberzug grossteils lose an den Buchdeckeln. Lose Fragmente und grosse Fehlstellen prophezeien deutlich den zu erwartenden Fortgang der Geschichte für den Band, würde er dem Lauf der Dinge überlassen. Die Restaurierung des Einbandes vermittelt zwischen dem Erhalten des originalen Materials und der Funktion des Buches – seiner Benutzbarkeit.

Das «Messbuch der Hufschmiede» während der Trockenreinigung der Pergamentseiten

Anstatt das angeschlagene Originalmaterial durch neues zu ersetzen, wird es gesichert und verstärkt. Dazu wird der Lederüberzug von den Deckeln gelöst und abgenommen. So liegt der Buchblock mit den Deckeln während der Bearbeitung zeitweise bloss und offenbart die Konstruktion des Buchs.

Der von den Deckeln gelöste Lederüberzug

Für die nötige mechanische Stabilität sorgt ein robustes Japanpapier, mit dem das Einbandleder auf der Rückseite doubliert wird. Auch lose Fragmente werden wieder in den Überzug eingegliedert. So verstärkt kann das Leder seinen angestammten Platz und Zweck wieder einnehmen und wird wieder über den Band gezogen. Wo dies der Funktion keinen Abbruch tut, darf Fehlendes auch fehlend bleiben. Wenn sie kein Risiko für die Erhaltung darstellen, werden auch die Spuren der Zeit bewahrt.

Das «Messbuch der Hufschmiede» während der verschiedenen Etappen der Restaurierung

Hingegen gilt es, die Binnenlöcher aufzufüllen und eine geschlossene Ebene wiederherzustellen. Schliesslich bekommt der Einband einen Umschlag aus alterungsbeständigem Kunststoff, der in Zukunft die ärgsten Attacken der Degradation abfangen wird. Damit ist das «Messbuch der Hufschmiede» wieder für seine Funktion gerüstet und erstrahlt nicht in neuem, aber im Glanz seiner Geschichte.

Weitere Informationen finden Sie in den Publikationen des Staatsarchivs Freiburg auf Facebook und Instagram.

Das Innere des «Messbuchs der Hufschmiede» nach der Restaurierung

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